Modelleisenbahn (Seite 1)
Spielzeug aus Überraschungseiern
Das Spielzeug aus Überraschungseiern ist seit vielen Jahren - nicht zuletzt durch die außerordentlich erfolgreiche Werbestrategie von Ferrero - zu einem beliebten Sammelobjekt geworden und daher auch auf allen Trödelmärkten und vielen Spezialbörsen zu finden. Für einige seltene Hartplastik-Figuren werden heute schon tausend Euro und mehr bezahlt.
Weniger begehrt, aber nicht weniger interessant, ist das Steckspielzeug, das nur zerlegt ins Ei hineinpaßt und daher erst aus Einzelteilen zusammengefügt werden muß. Bei diesem Steckspielzeug sind den Designern, deren Namen leider durchweg unbekannt geblieben sind, nicht selten Konstruktionen von bewundernswerter technischer Raffinesse gelungen, die diese Objekte in meist bester Fertigungsqualität, auch wenn es sich nur um billiges Spielzeug handelt, sammelnswert machen.
Daher scheint das Spielzeug aus dem Ei inzwischen auch als museumswürdiges Kulturgut anerkannt zu sein: Das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt widmete 2004 dem 30. Geburtstag des Überraschungseis eine bemerkenswerte Sonderausstellung. Aus dem Begleittext der Ausstellung: "... Auf spielerische Weise werden "Schönheit" und "Konstruierbarkeit" der Welt gespiegelt und aufgezeigt, wie wir auch von "zweiten Wirklichkeiten" beeinflußt und animiert werden. Film- und Pop-Kultur, Zirkus, Märchen und Mythen, Geschichte und Phantasien, Naturwissenschaften und Geschicklichkeitsspiele, Mechanik und Zoologie sind Bezugsrahmen und Anregungspotential für die Kapselspielzeuge ..."

Hierzu eine aktuelle Ergänzung: Am 17.12.2007 widmete der für seine anspruchsvollen Sendungen bekannte TV-Sender "arte" im Abendprogramm eine amüsante Betrachtung zum Überraschungsei als Kunstobjekt. Im Online-Archiv des Senders findet sich folgende Zusammenfassung der Sendung:
"Seit mehr als 30 Jahren ist das Kinder-Überraschungsei aus dem europäischen Alltag nicht mehr wegzudenken. In diesem Schokoladenei versteckt sich geniales Produktdesign. Was als kleines Mitbringsel und Überraschung für Kinder konzipiert war, entwickelte sich zum Kunst- und Sammlerobjekt.
30 Jahre gibt es die - nicht nur bei Kindern - beliebten Schokoladeneier, in denen sich ein buntes Plastikobjekt verbirgt, in den Supermärkten Europas. Jedes Jahr kommen neue Figurenserien auf den Markt und etwa 150 montierbare Mini-Spielzeuge. Die Plastikmodelle - meist handbemalt - stammen aus der Welt des Fantasy-Films, des Comics, und der Popwelt. Die Zahl der Figuren insgesamt ist inzwischen vierstellig.
Der Kapselinhalt hat Liebhaber und professionelle Sammler gefunden, die über Märkte, Internet und Ausstellungen ihre Lieblingsobjekte erwerben. Die Ü-Ei-Objekte spiegeln auf spielerische Weise die Vorstellungen von Schönheit und Konstruierbarkeit einer vielschichtigen Welt wider - ganz wie ein Kunstwerk.
Die Dokumentation will beweisen, dass die Objekte der Überraschungseier mit Fug und Recht Kunst genannt werden dürfen. Sie unternimmt einen amüsanten kunstphilosophischen Spaziergang durch die Welt dieser Plastikobjekte und sammelt Stimmen der einflussreichsten Kunstkritiker unserer Zeit zum Thema "Was ist Kunst?". So gelangt das, was als Kinderspielzeug begann, auf den Sockel der Kunstbetrachtung.
Das Ü-Ei erfährt augenzwinkernd einen kunsttheoretischen Diskurs durch die Stimmen des längst verstorbenen Marcel Duchamp, von Werner Spiess, des belgischen Kunstkritikers Thierry de Duve und des Vizedirektors des Pariser Palais de Tokio, Nicolas Bourriaud."

Schienenfahrzeuge aus Überraschungseiern
Spätestens seit 1997 eine fast vorbildgetreu gestaltete Dampflokomotive - das vorstehende Bild zeigt eine seltene Farbvariante - sich als Steckspielzeug "aus dem Ei pellen" ließ, haben auch Modelleisenbahner Interesse an dem Spielzeug aus dem Ei entdeckt. Die ersten Eisenbahnfahrzeuge aus dem Ei waren sogenannte Bodenläufer, d.h. die Räder hatten keine Spurkränze und konnten daher nicht auf Schienen fahren. 1980 kam eine Serie von vier, noch stark stilisierten, aus einfachen geometrischen Elementen bestehenden historischen Lokomotiven aus der Pionierzeit des Lokomotivbaus heraus. Mit etwas Phantasie ist auch "Der Adler" zu erkennen (siehe die Bilder auf der folgenden Seite). Diese Lokomotiven hatten erstmals Radsätze aus Metall-Druckguß mit Spurkränzen bei einer Spurweite von 9 mm, die der N-Spur (Maßstab 1 : 160) der Modelleisenbahner entspricht. Erst zehn Jahre später fand sich die weitgehend formgleiche Serie erneut in den Überraschungseiern, diesmal jedoch ausnahmsweise mit Kunststoffrädern. In den folgenden Jahren konnten sich die Eisenbahnliebhaber über weitere Serien von Schienenfahrzeugen aus dem Ei freuen, wobei die Metall-Radsätze mit 9 mm Spurweite beibehalten wurden. Als weitere Verbesserung wurden die Fahrzeugserie des Jahres 1995 erstmals mit Haken und Ösen ausgestattet, so daß die Fahrzeuge zu einem Zugverband zusammengekoppelt werden konnten. Ferner wandelte sich die Eisenbahn aus dem Ei durch detailgetreuere Formgestaltung immer mehr vom Spielzeug zum fast echten Modell. Die besonders gelungene Tenderlokomotive von 1997 wurde bereits erwähnt, die auch eine lupenrein aufgedruckte Beschriftung aufweist. Auch bei den folgenden Serien wurden die weniger schönen Aufkleber durch eine detailreiche Bedruckung ersetzt. Diese Entwicklung fand ihre bisherige Krönung in dem schönen vollflächigen Tampon-Farbdruck, mit dem der Grafitti- und der Weinachtszug des Jahres 1999 geschmückt ist. Leider zeigen diese Serien allerdings wieder eine Rückkehr zu einfacheren weniger modellgetreuen Formen. Umso mehr Lob verdient der hervorragend gestaltete historische Zug "Der Adler" des Jahres 2000. Zur "Space-Lok"-Serie des Jahres 2001 allerdings möchte ich mich eines Kommentares enthalten.
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