OPTIK-Bastelspaß: Newton-Spiegelteleskop, Kartonbausatz von AstroMedia (Verstärkte Ausführung)

Die Firma AstroMedia (www.astromedia.de) vertreibt einen preiswerten Kartonbausatz zum Bau eines voll funktionstüchtigen Newton-Spiegelteleskops mit 16- und 30-facher Vergrößerung in Dobson-Montierung.
Der Bausatz für 22,50 Euro enthält 9 gestanzte DINA4-Kartonbögen, einen Hauptspiegel aus Glas mit 70 mm Durchmesser, Brennweite f = 450 mm, 1 Fangspiegel 15,5 x 22,0 mm und zum Bau von 2 Okularen (Ramsden-Okular mit f = 15 und Steinheil-Okular mit f = 28 mm) 2 Stück Acryl-Linsen mit f = 30 mm und je 1 Linse mit f = 49 und 65 mm. Ferner liegt ein Sonnenfilter-Vorsatz als Bausatz bei mit einer Filterfolie mit einem Filterfaktor 1 : 100.000, optische Dichte 5,0.
Der Kartonbausatz ist sauber farbig gedruckt, alle Teile sind präzise und und äußerst passgenau vorgestanzt, sodaß der Bau anhand der ausführlichen, verständlichen Schritt-für-Schritt-Bauanleitung außerordentlichen Spaß bereitet.

Nachteil des Bausatzes: Die Kartonstärke entspricht etwa normalem Karteikarten-Karton, das fertig gebaute Gerät ist daher empfindlich gegen Verdrückung und im Gebrauch instabil bezüglich der gesamten optischen Ausrichtung insbesondere der Spiegelhalterung und -justierung.
Ich habe daher den Bausatz durch Hinterlegung der tragenden Konstruktionsteile mit kräftigerem Karton zu einem stabilen Gerät verstärkt, außerdem die Hauptspiegelhalterung des Bausatzes durch eine jederzeit nachjustierbare (und ausbaubare) Dreipunktlagerung ersetzt sowie den Okularstutzen als stabiles rundes Pappe-Rohr so gestaltet, daß ggf. mittels einfach zu bauender Adapterstücke andere Okulare mit Normsteckmaß (0,96'') verwendet werden können.

Bild 1: Mein AstroMedia Spiegelteleskop in kartonverstärkter Ausführung. Auf der linken Seite erkennt man den auf den Tubus geklebten Befestigungsflansch, an dem die Hauptspiegeljustierung mit 6 Schrauben (M2) abnehmbar angeschraubt ist und die 3 Schrauben (M2, mit weißen Stellmuttern) für die Spiegeljustierung.


Im folgenden gebe ich eine kurze Baubeschreibung meines verstärkten Kartonbausatzes. Dabei folge ich den Ziffern der Original-Bauanleitung. Dort, wo ich Änderungen vorgenommen habe, werden diese hier mit um Buchstaben ergänzte Schritt-Nummern beschrieben; z.B. bedeutet "Schritt 6b" folgt nach Schritt 6 der Originalanleitung. Ziffern in Klammern verweisen auf Basteltipps im Anhang.

Schritt 6a: Die beiden äußeren Blenden werden mit einem Skalpel wieder herausgetrennt, so daß nur die Klebelaschen übrigbleiben. Es werden 12 rechteckige Kartonstücke (1) so zugeschnitten, daß diese von innen ohne Zwängung auf die jeweils 6 Flächen der beiden Achsensegmente A1, A2 passen. Die Länge ist so zu wählen, daß die Klebelaschen der herausgetrennten Blenden freibleiben. Die Kartonstücke werden eingeklebt (3), gut angedrückt und dabei soweit von beiden Seiten in A1, A2 hineingeschoben, daß sie an die mittlere Blende anstoßen. Danach werden die Längsfugen der aneinanderstoßenden Kartonstücke mittels eines Pinsels oder Schaschlickstäbchens ebenfalls mit Leim ausgestrichen, sodaß diese auch untereinander festverklebt sind. Nach dem Trocken werden die Kartonplatten schwarz gestrichen (4). Nun werden 2 neue Blenden aus Karton gefertigt, einseitig schwarz gestrichen und stumpf beidseitig in den Tubus bündig mit den Kartonplatten eingeklebt und die Fugen zwischen Blenden und Kartonplatten ebenfalls mit Leim ausgestrichen.
Schritt 8a: Das Spiegelsegment A6 wird ebenfalls wie A1, A2 mit 6 innen eingeklebten Kartonstücken verstärkt, wobei endseitig 2 cm freibleiben, da der Tubus hier sonst zu eng für den Einbau der Hauptspiegeljustierung wird.
Schritt 8b: Zum Anschrauben der Hauptspiegel-Justierung wird eine runde Kartonplatte 108 mm Durchmesser und einem sechseckigen Ausschnitt von der Größe gefertigt, daß diese als Flansch von außen auf das Tubusende endbündig geklebt werden kann. Diese Platte ist mit 6 Schraublöchern (für M2-Schrauben) auf einem Lochkreis von 92 mm Durchmesser zum Anschrauben der Spiegeljustierung versehen (2). Anschließend an diese Platte werden 6 Kartonstreifen 25 mm breit von außen auf den Tubus geklebt, die die Verstärkung des innen kartonfreigebliebenen Tubusendes sind. Alles schwarz anmalen. Siehe Bild 1.
Schritt 8c: Bau der Hauptspiegel-Justierung. Von dem Tubus-Abschluß E3 werden die Klebelaschen abgeschnitten und E3 auf eine sechseckige Kartonplatte geklebt. Diese sechseckige Platte (mit aufgeklebter E3) muß so groß sein, daß sie genau in das Tubusende hineinpaßt (ggf. anpassen und die beste Passung bei Drehung der Platte markieren). Auf die Schauseite von E3 wird ein runder Kartonring mit Außendurchmesser 108 mm und einem Innendurchmesser 68 mm konzentrisch (mit durchs Zentrum durchgestochener Nadel zentrieren) aufgeklebt. Vor dem Zusammenkleben werden auf der sechseckigen Kartonplatte drei Schraublöcher (für M2-Schrauben) auf einem Lochkreis von 78 mm mit einer Nadel markiert, die zur Befestigung der Spiegelfassung (s.u.) dienen. Die Löcher werden nach Zusammenkleben durch alle drei Teile gebohrt und bilden einen stabilen Traggrund für den Spiegel. Der Kartonring ist vor Aussägen des Innenteiles mit 6 Schraublöchern (für M2-Schrauben) auf einem Lochkreis von 92 mm zu versehen, durch die dieses Dreifach-Verbundteil E3 mit der am Tubusende angeklebten Flansch-Platte (Schritt 8b) verschraubt wird (siehe Bild 1). Die Löcher der beiden Lochkreise sollten um 30 Grad versetzt liegen (siehe Bild 2 und 3). Das Verbundteil wird in der Mitte noch mit einem kleinen, ca. 1,5 mm großen Loch versehen (2), das später zum Justieren des Fangspiegel benötigt wird.

Bild 2 und 3: Die neu gebaute Hauptspiegel-Justier-Einrichtung.

Bau der Hauptspiegelfassung
Die Hauptspiegelfassung besteht aus einer doppelt starken (zwei zusammengeklebte Platten) sechseckigen Kartonplatte mit einem Umkreisdurchmesser (7) von 88 mm, die also etwas kleiner ist als das Spiegelsegment des Tubus und daher in diesem frei beweglich ist (evtl. die Ecken des Sechsecks noch etwas stutzen). Aus einer der beiden Kartonplatten wird vor dem Zusammenkleben eine kreisrunde Aussparung (70 mm Durchmesser) ausgesägt, in den der Hauptspiegel genau hineinpaßt.
An drei Ecken dieser Kartonplatte sind auf einem Lochkreis von 78 mm Löcher gebohrt, durch die stramm drei 30 mm lange M2-Schrauben mit Unterlegscheiben eingepaßt und mit Leim festgeklebt werden (siehe Bild 2 und 3). Die Schrauben sind unter Beilage von Unterlegscheiben mit Federn versehen und passen genau durch die entsprechenden drei Löcher der kartonverstärkten Spiegelsegment-Abschlußplatte E3 (siehe Schritt 8c). In die Aussparung dieser Fassung wird der Hauptspiegel mit Pattex oder Uhu eingeklebt und die Fassung zunächst auf Seite gelegt.
Die Beschaffung der ca. 15 mm langen, mittelstarken Federn ist evtl. etwas schwierig, sie stammen bei mir aus der Bastelkiste. Toller Tipp von "Onkel Paul": Federn aus Kugelschreibern !
(Danke Onkel Paul ! Warum hast Du Deine email-Adresse nicht hinterlassen ?)

Schritt 9a: Anstelle des sechseckigen Okularstutzens (B1) verwende ich einen runden Okularstutzen, der den Vorteil hat, daß sich das Okular feinfühliger durch Verschieben und DREHEN justieren läßt. Außerdem lassen sich hierfür einfacher zusätzliche Okularschafte evtl. mit einem Adapterstück für weitere Okulare bauen. Mein runder Okularstutzen besteht aus einem Stück Papprohr (von einer Küchenpapierrolle) mit 28 mm Innendurchmesser. Statt des sechseckigen Loches im Okularsegment A7 wird ein kreisrundes Loch ausgeschnitten, in das das Papprohr stramm hinein gesteckt werden kann. Einer von den sechs Kartonstreifen, mit denen A7 ebenso wie die anderen Tubussegmente verstärkt wird, wird unter das Okularloch gehalten, und der Kreis für das Einsetzen des Papprohrs angezeichnet und heraus gesägt. Okularsegment A7 wird dann an den Tubus angeklebt (Schritt 13), die verstärkenden Kartonstücke eingeklebt und schwarz gemalt. Dabei ist darauf zu achten, daß das Okularloch im Karton genau unter das Loch in A7 sitzt. Das Okularstutzen-Papprohr wird jetzt bündig in das Okularloch eingeklebt. Auf senkrechten Einbau achten (siehe Text zu Schritt 11). Zur Verstärkung des Okularstutzen habe ich ein weiteres Stück (längs aufgeschnittenes) Papprohr außen um diesen herumgeklebt (5) und das Ganze mit einem Streifen Elefantenhaut-Papier in 2 Lagen umklebt (Bild 1). Die Länge der sechs Kartonverstärkungen ist so zurecht zu schneiden, daß sie von der letzten Innenblende bis an die Kante der Tubusöffnung reichen.
Die Schritte 10 bis 13 der Originalanleitung sind damit erledigt.
Ergänzung zu Schritten 15 bis 18 (Achsenbasis und Achsenblock): Diese Teile werden statt der Originalteile aus Karton gefertigt, bzw. C7, C8 mit Kartonscheiben hinterklebt. Ein stabiler Tubus ist damit bis auf die Öffnungsblende (D2) fertig, der einen satten Klang beim Daranklopfen ergibt !
Vorwegnahme der Schritte 45 und 46 (Visiere): Die beiden Hälften des vorderen Visiers G1, G2 werden beidseitig deckungsgleich (Paßpunkte mit Nadel durchstechen) auf ein Stückchen Karton geklebt, derart daß eine Kartonkante bündig mit den Knickstellen der Klebelaschen ist, die Klebelaschen selbst aber freibleiben. Nach dem Trocknen und Aussägen entlang der Visierkanten werden diese schwarz gestrichen und das Visier mit den Klebelaschen und (!) der Kartonkante auf den Tubus aufgeklebt. Ebenso wird das hintere Visier G3, G4 als stabiles Teil gebaut und aufgeklebt.
Die Dobson-Montierung (Schritte 47 bis 57): Diese Montierung kann ebenfalls als stabiles Teil durch Hinterklebung mit 1mm starken Karton gebaut werden, worauf hier nicht näher eingegangen wird.
Stativmontierung: Zur Montierung auf einem Fotostativ bietet Astromedia eine Adapter-Holzleiste mit einem Stativschraubgewinde an, die ich unter Zwischenlage eines gleich großen Kartonstreifens auf die Unterseite des Tubus geklebt habe.
Fortsetzung auf folgender Seite !

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