Optik-Bastelspaß: Anhang: Basteltipps zum Spiegel-Teleskop und anderem


Material- und hilfreicher Werkzeugbedarf.
Stabiler 1 mm starker Bastelkarton, griffunempfindliches "Elefantenhaut"-Papier, so heißt das Papier tatsächlich (beides in Bastel- oder Papierwarengeschäften erhältlich), Weißleim Ponal EXPRESS, M2-Zylinderkopfschrauben verschiedener Längen (15 und 30 mm), Unterlegscheiben und Muttern dazu, Papprohr (z.B. von Küchenpapier-Rollen), Tube schwarze Abtönfarbe (aus dem Baumarkt).
Kräftige (Schneider)schere, Laubsäge mit feinen Metallsägeblättern, Bastelmesser mit Skalpellklingen, kleine spitz zulaufende Vierkant- und Rundfeilen (feiner Hieb), Flachfeilen, 150er-Sandpapier, Zirkel (mit Bleistift- und Anreißnadel-Einsatz), Falzbein und andere Kleinteile.
Etwas Erfahrung mit Laubsägearbeiten ist nützlich.

Basteltipps

(1) Bearbeitung des 1 mm starken Kartons

Gerade Kanten lassen sich gut mit einer kräftigen Schere schneiden, Rundungen von kreisförmigen Platten und Ringen werden mit der Laubsäge mit feinem Metallsägeblatt ausgesägt, mit 150er Sandpapier nachgeschliffen und die Kanten mit dem Falzbein fest angedrückt.
(2) Saubere Löcher im Karton anfertigen: Die Löcher mit einem Bohrer knapp vorbohren, wobei sich auf beiden Seiten Wülste aufstellen, Wülste mit einem Falzbein nach innen in die Löcher drücken und Löcher mit einer feinen, spitz zulaufenden, dünnen Rundfeile nachfeilen.
(3) Kleben
Ich verwende zum Papier- und Kartonkleben nur Weißleim der Sorte EXPRESS (z.B. Ponal, Uhu), der schnell tragend trocknet und danach nicht mehr wasserlöslich ist.
Auch für die (nach Astromedia-Anleitungen) auf Karton-Blenden aufzuklebenden Acryllinsen habe ich Weißleim als um die Linse herumgelegte Fuge verwendet. Die Leimfuge hält die Linse gut fest, der Leim haftet aber nicht an Acryl, sodaß die Linse ohne Schaden jederzeit wieder ausgebaut werden kann.
(4) Farbe
Zum Anmalen von Papier- und Kartonteilen (z.B. Schwärzen von Tubusrohren) verwende ich Abtönfarbe, der ich ca. 10 bis 20 % Weißleim beimische und das Gemisch mit Wasser malfähig verdünne. Der Leimzusatz gibt dem Karton zusätzlich eine härtere Oberfläche und erhöhte Stabilität. Die Oberfläche ist (optisch günstig) matt. Diese Farbmischung trocknet griffest in etwa 10 Minuten, wenn man das geklebte Teil etwas erwärmt z.B. unter einer Tischlampe. Ein Verziehen der Kartonteile tritt auch bei einseitigem Anstrich nicht auf.
(5) Papprohre
Papprohre verschiedener Durchmesser für Tubusrohre, Okularstutzen usw. findet man als Kern von z.B. Toilettenpapier, Küchenpapierrollen und ähnl. oder als Versandrohre für Zeichnungen. Zum Ineinanderschieben oder Umkleiden kann man das gleiche Rohr längs aufschneiden und passend im Durchmesser verkleinert bzw. unter Beilage eines zusätzlichen Stückes vergrößert wieder zusammenkleben.
(6) Sehr stabile, kleinere Papierrohre z.B. zum Bau eines eines Okulars kann man sich aus Elefantenhautpapier auch selbst fertigen, indem man ein Rundobjekt geeigneten Durchmesser mit mehreren Lagen des Papiers unter ständiger Leimung umwickelt.

(7) Sechseck-Geometrie

Man zeichnet mit dem Zirkel den Umkreis des Sechsecks, man zeichnet einen Duchmesser. Um die Schnittpunkte des Durchmessers mit dem Kreis werden Zirkelschläge, die den Kreis schneiden, ausgeführt, man erhält insgesamt sechs Schnittpunkte, die der Reihe nach mit einander verbunden das Sechseck ergeben, d.h. die Länge der Sechseckkanten entspricht dem Radius R des Umkreises.
Der Durchmesser des Umkreises 2R ist gleich dem Durchmesser des Sechsecks gemessen über gegenüberliegende Ecken. Radius des Inkreises r = R x cos 30 Grad. Der Durchmesser des Inkreises 2r ist gleich dem Durchmesser des Sechsecks über gegenüberliegende Seiten gemessen.


(8) Baukästen und Kunststoffe für Optik-Basteleien
Vor Jahren vertrieb der Kosmos-Verlag, Stuttgart, einen Experimentier-Baukasten mit einer hervorragend geschriebenen Versuchsanleitung "Kosmos Physik-Praktikum, Optik+Foto", der heute vergriffen ist, gelegentlich aber im Internet noch angeboten wird. In der ehemaligen DDR gab es einen wesentlich einfacheren Optik-Experimentierkasten "Optik-Cabinet 80", der heute noch aus Restbeständen und als Neuauflage (?) preiswert erhältlich ist (Google-Suche: Kamenzer Spielwaren). Die Bauteile (Linsenfassungen, Tubusrohre etc.) sind aus Polystyrol-Kunststoff (Linsen aus Acryl) und lassen sich bestens für eigene Konstruktionen verwenden, da Polystyrol leicht mit Laubsäge, Feile, Bohrer usw. bearbeitet und gut geklebt (Kleber: z.B. Faller-Expert) werden kann.
(9) Überhaupt ist Polystyrol und ABS* ein für optische (und andere) Basteleien, z.B. zum Bau von Linsenfassungen und Blenden, bestens geeigneter Werkstoff, der sich kostenlos als Platten- und Rohrmaterial aus vielerlei Haushaltsabfällen wie Dosen, Schachteln, Tuben**, Tablettenröhrchen**, Tuben**- und Flaschenverschlüssen**und Billigspielzeug gewinnen läßt. Eine ergiebige Quelle für stärkeres (ca. 2,5 bis 4 mm) schwarzes Plattenmaterial ist rückseitigen Abdeckung von Fernsehgeräten.
* ABS = Acrylnitril-Butadien-Styrol ist ein Mischkunststoff, der sich nur bei höherem Styrol-Anteil gut verkleben läßt. Daher sollte man vorher die Anlösbarkeit prüfen.
** Diese Teile sind meist aus Polypropylen oder Polyethylen gefertigt und NICHT klebbar.

(10) Billige Materialquellen für hochwertige optische Bauteile

Seit dem Siegeszug der Digitalfotografie sind analoge Film- und Foto-Kameras für billiges Geld auf dem Trödelmarkt zu haben, aus denen sich verschiedenste, hochwertige, vergütete optische Bauteile und Konstruktionselemente "ausschlachten" lassen.
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