Alte Technik: Die erste Eisenbrücke, fertiggestellt 1779
Die Brücke überspannt den Fluß Severn bei Coalbrookdale in Nordwales, England

Zur Koks-Eisenproduktion in Coalbrookdale
Die erstmalige Herstellung brauchbaren Koks-Roheisens wird dem englischen Eisenhüttenmann Abraham Darby (1676 - 1717) zugeschrieben. Dabei kam ihm der Umstand zugute, daß bei Coalbrookdale (Shropshire, Nordwales), wo Darby ein aufgelassenes Eisenwerk zunächst gepachtet hatte, Flöze schwefelarmer Kohle unmittelbar zutage traten, die zu Koks verschwehlt werden konnten.
Das damit erschmolzene silizium- und immer noch schwefelreiche Koks-Roheisen war zur Herstellung von Schmiedeeisen im Frischeherd ungeeignet, es war jedoch dünnflüssig und in Sandformen gut vergießbar.
Der Eisenguß verdrängte daher gegen Ende des 18. Jahrhunderts die geschmiedeten Erzeugnisse, die aus mit Holzkohle gewonnenem Eisen hergestellt wurden auf vielen Anwendungsgebieten.
Das Roheisen wurde dabei entweder direkt vom Hochofen in der Verwendung entsprechende Sandformen oder zu Kokillen gegossen (nebenstehendes Bild), die nach Umschmelzen im Herdofen in die gewünschten Gebrauchs-Sandformen gegossen wurden.

Die erste Eisenbrücke

Richard Reynolds und Abraham III Darby, die die Coalbrook-Company in der dritten Generation leiteten, beschlossen, den Fluß Severn zwischen Coalbrookdale und Broseley mit einer Eisenbrücke zu überspannen, um dem zunehmenden Verkehr, dem die Fähre nicht mehr gewachsen war, zu genügen, gleichzeitig aber auch die Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens zu demonstrieren. Der Entwurf der Brücke stammt von Thomas Farnolls Pritchard, einem Architekten aus Shrewsbury. Die Brücke wurde im Jahre 1779 fertiggestellt.
Der Brückenbogen besteht aus fünf Rippen, die in zwei Teilen im Herdguß-Verfahren gegossen sind und je 5,3 Tonnen wiegen. Das Gesamtgewicht der Eisenkonstruktion beträgt 384 Tonnen, die Spannweite 30 Meter bei einer Bogenhöhe von 12 Metern.
Diese erste Eisenbrücke fand bei den damaligen Ingenieuren und Besuchern große Beachtung und ihre Lage war so günstig gewählt, daß sich um sie herum die Ortschaft Ironbridge entwickelte.
Die Brücke wird noch heute benutzt und ist eine Touristen-Attraktion. Im dortigen sehenswerten Ironbridge Gorge-Museum (URL s.u.) ist die Geschichte der Brücke, der ansässigen Eisenverhüttung und der industriellen Revolution im England des 18.Jahrhunderets dargestellt.

Bild links: Bei der Baukonstruktion in Eisen, für die bis dahin nur geringe Erfahrungen vorlagen, wurde auf Verbindungstechniken des Holzbaus zurückgegriffen. Das Bild zeigt, wie die Bogenrippen mit den radialen Streben in einer sogenannten blinden Schwalbenschwanzverbindung zusammengefügt sind. Hierbei ist nur die halbe Eisendicke in Schwalbenschwanzform ausgenommen.
Bild rechts: Flußuferbewegungen und das Gewicht der Steinfundamente zwängten die Eisenkonstruktion ein und führten u.a. wie hier gezeigtb zu Brüchen von Radialstreben. Die Brücke mußte daher mehrfach saniert und restauriert werden.


Bildquellen:
Südwestrundfunk: www.schaetze-der-welt.de und Ironbridge Gorge-Museum: www.ironbridge.org.uk