Alte Technik: Richard Trevithick und die erste Lokomotive
Der englische Techniker und Maschinenbauer Richard Trevithick, 1771 in Ollogan in Cornwal geboren, gilt als Erfinder der Dampflokomotive. Er gehört zu den Begründern des Maschinen-Zeitalters und war ein ideenreicher und außerordentlich vielseitiger Konstrukteur auf nahezu allen Gebieten des Maschinenbaus. Schon als junger Obersteiger im Bergbau beschäftigte er sich mit der Verbesserung der Dampfmaschine, wobei er sich speziell auf den Bau von Hochdruck-Dampfmaschinen verlegte, was ihm längere Streitigkeiten um Patentrechte mit Boulton und Watt einbrachte, im Verlaufe derer er viel Geld verlor. Ferner beschäftigte er sich mit dem Bau von Straßen-Dampfwagen, Dampfschiffen und Dampfbaggern, mit Propellern, Pumpen und eisernen Schiffsrümpfen, schließlich war er am Projekt der Untertunnelung der Themse beteiligt. Nach einem wechselvollen Leben, das ihn bis in verschiedene Länder Südamerikas führte, starb er vergessen und völlig verarmt 1833 in Dartmore, Kent.

Die erste funktionsfähige Dampflokomotive *) wurde nach Trevithicks Konstruktionsplänen 1803 von der Coalbrookdale-Company gebaut und 1804 auf der Grubenbahn-Strecke in Merthyr-Tydfil vorgeführt. Die Maschine wog ca. 5 Tonnen und zog einen Zug von 43 Tonnen Gesamtgewicht in 4 Stunden und 5 Minuten über eine Strecke von 15 km. Der Lokomotivkessel war mit einem Umkehr-Flammrohr versehen, um die beheizte Fläche zu vergrößern. Der Kolben des im Innern des Kessels horizontal liegenden Zylinders setzte über eine Treibstange ein übergroßes Schwungrad in Bewegung. Über Zahnräder wurden die beiden linksseitigen Räder angetrieben. Die Räder hatten keine Spurkränze und fuhren auf L-förmigen Winkelschienen.
Über das Aussehen und technische Einzelheiten der Lokomotive besteht keine gänzliche Klarheit, doch wird angenommen, daß der im Science Museum in London aufbewahrte Entwurf (eine Umzeichnung siehe oben) sie annähernd richtig darstellt.
Dieser und weiteren Lokomotiv-Konstruktionen Trevithicks blieb der durchschlagende Erfolg versagt, nicht wegen mangelnder Zuverlässigkeit der Maschinen, sondern weil die damals verfügbaren gußeisernen Schienen häufig unter der Last der Lokomotive brachen, was zu Entgleisungen und Unfällen führte.
*) In Coalbrookdale soll bereits 1802 eine Schienen-Lokomotive im Bau gewesen sein. Das Projekt, von dem nichts Näheres bekannt ist, wurde jedoch wieder aufgegeben.

Zu vorstehenden Schienen-Bildern:
Links: Profil der Gußeisenschiene von Coalbrookdale 1767
Mitte: Gußeiserne Winkelschiene von John Curr, 1776 in den Kohlegruben von Sheffield eingeführt, die die Kohlewagen sicherer führten als die niedrigen Ränder der Coalbrookdale-Schienen. Diese Schiene wurde auch auf der Merthyr-Tydfil-Bahn verwendet, auf der Trevithicks Lokomotive fuhr.
Rechts: Profil der Stegschiene mit verdicktem Kopf von William Jessop 1789, wegen ihrer Form auch Fischbauchschiene genannt. Mit ihr setzten sich die Räder mit Spurkränzen durch, obwohl es zunächst als Nachteil angesehen wurde, daß man mit ihnen nicht mehr auf gewöhnlichen Straßen fahren konnte.