Chromo-Lithographie
Der Steindruck (Lithographie) wurde im Jahre 1796 von Alois Senefelder bei seinen Versuchen, preiswert Noten zu drucken, entdeckt. Er wird seit den Anfängen (Delacroix, Goya, Daumier, Toulouse-Lautrec) bis heute (Picasso, Roy Lichtenstein) als technisches Medium zur Erzielung eines bestimmten künstlerischen Ausdrucks benutzt.
Die Chromolithographie (farbiger Steindruck) erlebte ihre höchste technische Blüte um 1900 als Massen-Reproduktionsverfahren für Bilder in Zeitschriften und Büchern, für Plakate und Wandbilder (meist religiöse Motive als "Heimschmuck des kleinen Mannes"), für Postkarten und Sammelbilder (Liebig-Sammelbilder). Ihre Farbkraft - hochwertige Bilder wurden mit acht bis sechzehn Farben von mehreren Steinen gedruckt - wird von keinem anderen Druckverfahren erreicht. Als Reproduktionsmittel wurde die Chromolithographie in den 1910er Jahren durch das billigere Raster-Druckverfahren verdrängt. Der Farbdruck von Steinen wird heute nicht mehr verwendet und darf als eine ausgestorbene historische Drucktechnik gelten. Wenn auch häufig als Kitsch betrachtet, sind die bunten "Chromos" heute als kulturgeschichtliche und drucktechnische Kostbarkeiten zum begehrten Sammelobjekt geworden.
Das vorstehende Bild (Original in Postkartengröße) ist die Wiedergabe einer Werbebeilage für Druckfarben in einer drucktechnischen Fachzeitschrift aus dem Jahre 1907. Es läßt die Farbkraft des Originals nur erahnen.
Literatur:
Mielke, Heinz-Peter: Vom Bilderbuch des Kleinen Mannes. Über Sammelmarken, Sammelbilder und Sammelalben. Köln 1982
Pieske, Christa: Das ABC des Luxuspapiers: Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860 bis 1930. Reimer-Verlag, Berlin 1984
Pieske, Christa: Bilder für jedermann: Wandbilddrucke 1840 - 1940. Kaysersche Verlagsbuchhandlung, München 1988