Die Tengwar-Schrift: Allgemeines zur Schrift und deren Lautwerten
(Text und Zeichen-Tabellen überarbeitet am 3.2.2003)

Die Tengwar-Schrift wurde von Tolkien nach phonologischen Gesichtspunkten entwickelt, sie ist im engeren Sinne keine Buchstaben- sondern eine Lautschrift, d.h. die Tengwar-Zeichen stehen i.a. nicht für einen bestimmten Buchstaben sondern für einen Lautwert. Die Tengwar repräsentieren daher, je nachdem zur Aufzeichnung welcher Sprache sie verwendet werden, unterschiedliche (lateinische) Buchstaben. Wer sich näher für die phonologische Betrachtung der Tengwar interessiert, sei auf die ausführliche, sprachwissenschaftliche, nicht leicht verständliche ;-) Darstellung von Gernot Katzer verwiesen.
Tolkien suggeriert uns, daß die Tengwar (auch feanorische Zeichen genannt) von den Elben erfunden wurden. Zunächst für die Aufzeichnung der älteren Elbensprache Quenya verwendet, setzten sich die Tengwar später als Schrift für die meisten auf "Mittelerde" gesprochenen Sprachen (s.o.), insbesondere für die Elbensprache Sindarin durch.
Dabei wurden die Lautwerte der Buchstaben den zweckmäßigen Bedürfnissen der Sprache angepaßt, d.h. sie sind nicht in allen Sprachen gleich. Der klassische (noldorische) Sindarin-Modus der Tengwar wurde jedoch auch für das Westron und die Schwarze Sprache (Ringinschrift) übernommen. Das klassische Sindarin kennt keine eigenen Buchstaben für die Vokale (s.u.), für die Elbensprache von Belleriand, im Westen von Mittelerde, hingegen ist auch ein Sindarin-Modus der vollen Schrift, d.h. mit eigenen Vokal-Buchstaben, bekannt.
Der hier wiedergegebenen Transskription wurden die Lautwerte (lateinische Buchstaben) des klassischen Sindarin zugrunde gelegt. Der Sindarin-Modus wurde bevorzugt, weil Sindarin die am weitesten entwickelte Sprache von Tolkien ist, in Tolkiens Werken am häufigsten vorkommt und von Tolkien auch zum Schreiben englischer Texte genutzt wird und (von daher begründet) auch zum Schreiben deutscher Texte in Tengwar verwendet werden kann. Für die Wiedergabe der Sindarin-Lautwerte habe ich mich weitgehend auf die Ausführungen von G. Katzer gestützt.
Eine Transskription zum Schreiben englischer (soweit von Tolkien nicht selbst authorisiert) und deutscher Texte in Tengwar-Schrift, wie ich sie hier (nicht mit sprachwissenschaftlichem Anspruch sondern "zum Spaß an der Freude" :-)) vorlege, wird, soweit die Zeichen und deren Lautwert aus den Sindarin-Texten Tolkiens nicht belegbar sind, einer gewissen Willkür nicht entbehren.
Die Mehrzahl der Schriftzeichen setzen sich aus zwei Elementen zusammen: einem senkrechten Strich ("telco") und einem bogenförmigen Element ("luva"). Der Strich kann normalgroß, mit einer Oberlänge oder mit einer Unterlänge versehen sein. Das bogenförmige Element kann offen oder mit einem Querstrich geschlossen sein sowie verdoppelt und auf dem Kopf stehend auftreten. Einige Konsonanten haben davon abweichend eine spezielle Form.
Die Tengwarschrift des klassischen Sindarin kennt, wie bereits erwähnt, keine Vokal-Buchstaben. Die Vokale werden durch sogenannte diakritischen Zeichen (kleine Häkchen, Strichelchen, Punkte, Tilde), "tehtar" (Singular: tehta) genannt, dargestellt, die über (oder unter) die Konsonanten gesetzt werden. Das tehta steht im Sindarin (umgekehrt als im Quenya) auf dem dem Vokal folgenden Konsonanten.
Die Schrift-Tabellen wurden z.T. mit einer True Type-Tengwarschrift (Copyright 1998 by Daniel Steven Smith) erstellt, die ich auf der Website "Tolkienworld" als Download fand.