Hobby-Elektronik: Einige Hinweise zum Arbeiten mit Lochraster-Platinen (für Anfänger)
Zum Aufbau von Schaltungen, die nur als Einzelstücke gefertigt werden, lohnt sich der Herstellungsaufwand einer speziellen Platine meist nicht, hierfür eignen sich besser Lochrasterplatinen mit einem Lochrasterabstand von 2,54 mm und rückseitigen Kupferbahnen (z.B. Conrad Best.-Nr. 527726-77). Die Lochrasterplatinen mit Kupferbahnen haben außerdem den großen Vorteil, daß sich immer noch nutzbare freie Leiterbahnen oder Leiterbahnstücke finden, falls der Test der Schaltung Änderungen oder Ergänzungen notwendig macht. Ich ziehe Lochrasterplatinen aus Pertinax (phenolharzgetränktes Hartpapier) den glasfaserverstärkten Platinen vor, weil sie sich besser bearbeiten (sägen (Laubsäge), feilen, bohren) lassen, ohne daß die Werkzeuge schnell verschleißen und man den ekligen Glasfaserstaub einatmen muß.
Den Entwurf des Platinenlayouts kann man zweckmäßigerweise auf einem Blatt karierten Schreibpapiers vornehmen, wobei ein Kreuzungspunkt auf dem Papier einem Loch auf der Platine entspricht. Bei einer Karo-Größe von 5 mm auf dem Papier entspricht das etwa dem Maßstab 2 : 1. Der Entwurf auf dem Papier sollte der Ansicht auf die Bestückungsseite der Platine entsprechen. Während des Entwurfs auf dem Papier steckt man die Bauteile jeweils provisorisch in die Lochrasterplatine und probiert aus, ob sie von der Größe so, wie geplant, passen und sich nicht im Wege stehen. Nach Möglichkeit sind die Bauteile - dies gilt besonders für mehrpolige Bauteile und unbedingt für IC-Fassungen - quer(!) zum Verlauf der Kupferbahnen anzuordnen. Hierbei ergibt sich die geringste Zahl von Unterbrechungen der Leiterbahnen. Erforderliche Leiterbahn-Unterbrechungen, die unbedingt z.B.als deutliche Schrägstriche auch in den Plan mit aufzunehmen sind, können auf der Platine entweder mit einem kleinen Bohrer oder Senker bei einem Loch oder mit einem scharfen Messer zwischen zwei Löchern vorgenommen werden. Letzteres ist zwar etwas mühsamer, sieht aber besser aus und man verliert das betreffende Loch nicht als Lötpunkt. Notwendige Querverbindungen zwischen den Leiterbahnen werden auf der Bestückungsseite durch Drahtbrücken hergestellt.
In den Bildern oben ist links die einfache Schaltung eines Gleichrichterteils mit Brückengleichrichter und nachfolgendem Festspannungsregler und rechts daneben der zugehörige Platinenentwurf dargestellt, wobei der Brückengleichrichter mit vier Einzeldioden realisiert wurde. Im Entwurf sind links zwei Lötnagel-Stifte im Abstand von 7,5 mm (genauer 3 x 2,54 mm) zum Anschluß des Trafos und rechts zwei weitere Lötnagelstifte zum Abgriff der Gleichspannung dargestellt. Die geschlängelten Linien sind Drahtbrücken. Die benutzten Leiterbahn-Stücke sind voll rot dargestellt. Leiterbahnunterbrechungen waren bei dieser einfachen Schaltung nicht erforderlich.
Beim Platinenentwurf sollte man sich nicht an die Schaltungs-Zeichnung klammern ! Diese sollte nach dem Gesichtspunkt der Übersichtlichkeit und Verständlichkeit der Schaltung gezeichnet sein und hat nichts mit der geometrischen Anordnung der Bauteile zu tun. Der Platinenentwurf hingegen sollte die optimale Bauteilanordnung anstreben. Diese sollte platzsparend sein, wenig Leiterbahn-Unterbrechungen erforderlich machen, möglichst wenig Drahtbrücken benötigen und schließlich auch ästhetisch gut aussehen. Mit wenig Übung gelingt ein Schaltungs-Layout für eine Lochraster-Platine schneller als der Entwurf einer speziellen Platine, da das Bauteil-Raster durch die Löcher ja schon vorgegeben ist.
Nach Fertigstellung des Entwurfs auf dem Papier wird dieser auf Fehler überprüft, wobei es sich empfiehlt, die Linien auf dem Papier, die benutzten Leiterbahn-Stücken entsprechen, stark nachzuziehen, was eine bessere Übersicht über die miteinander verbundenen Bauteile verschafft. Nach Prüfung des Entwurfs sollten auf der Platine zuerst die Leiterbahnunterbrechungen vorgenommen und nochmals sorgfältigst(!) überprüft werden, da bei fehlenden Unterbrechungen die Schaltung nicht funktioniert und Kurzschlüsse mit Zerstörung von Bauteilen möglich sind. Dann kann der angenehmere Teil der Bastelei, nämlich das Legen der Drahtbrücken, der Einbau der Bauteile und deren Verlötung erfolgen. Nach erfolgreichem Test des Schaltungsaufbaus kann die Leiterbahnseite noch mit Alkohol von Flußmittelresten gereinigt und mit einem klaren Zapon- oder Acryllack als Schutzanstrich versehen werden.
Die beiden unteren Bilder zeigen die Vorder- und Rückseite eines mit sechs Transistoren (schwarz) diskret aufgebauten HiFi-Stereo-Kopfhörer-Verstärkers (Schaltung s. unter Einfacher Kopfhörerverstärker) auf einer kleinen Lochrasterplatine von 71 x 71 mm. Einige Elkos sind hier auch parallel zu den Leiterbahnen angeordnet, selbstverständlich mit Leiterbahnunterbrechungen zwischen deren Anschlüssen. Die zwischen den Löchern gemachten Leiterbahn-Unterbrechungen sind im rechten Bild deutlich zu erkennen. An die Platine direkt angelötet sind kleine Stecker für einen Stecksockel.